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Glossar: Venenerkrankungen/Krampfadern

Funktion der Venen

Die Venen haben die Aufgabe, das verbrauchte, sauerstoffarme Blut wieder zum Herzen beziehungsweise in die Lungen zurückzutransportieren. Allein wären die Gefäße dazu nicht in der Lage. Deshalb werden sie von der sogenannten Muskel-Venen-Pumpe bei ihrer Arbeit unterstützt. Dies geschieht, indem bei jeder Bewegung die Beinmuskeln auf die Venen drücken und so helfen, das Blut in Richtung Herz zu befördern. Damit das Blut nicht infolge der Schwerkraft wieder in die Beine zurückfließt, sind Venenklappen dazwischengeschaltet, die das Blut nur in einer Richtung passieren lassen.

Krampfadern – Venenschwäche

Funktioniert diese Muskel-Venen-Pumpe nicht ausreichend, so staut sich das Blut in den Venen, und der Druck auf die Venenwände verstärkt sich. Im Lauf der Zeit werden diese Wände durchlässig, so dass Bestandteile des Blutes in das umgebende Gewebe austreten. Der Betroffene merkt dies daran, dass es zu einer Schwellung und einem Schweregefühl in den Beinen kommt. Dieses Anschwellen der Beine wird fachsprachlich als ÷dem bezeichnet. Häufig werden nun auch die überbeanspruchten Venen als bläulich gefärbte Stränge in der Haut, also als eigentliche Krampfadern, sichtbar.

Verursacher eines solchen Krampfadernleidens ist häufig mangelnde Bewegung, da dann die Muskel-Venen-Pumpe nicht richtig funktionieren kann. Außerdem besteht bei vielen Betroffenen eine erbliche Veranlagung. Auch das Alter spielt eine Rolle, denn die Venen sind in fortgeschrittenen Jahren den Beanspruchungen nicht mehr so gewachsen wie in der Jugend. Dass Krampfadern aber nicht als reine Altersbeschwerden bezeichnet werden können, zeigt die Tatsache, dass sie sich häufig auch in besonderen Belastungssituationen, wie beispielsweise einer Schwangerschaft, ausbilden.

Risikofaktoren

  • angeborene Bindegewebsschwäche
  • stehende berufliche Tätigkeit
  • mangelnde Bewegung
  • hormonelle Faktoren (Schwangerschaft, Pille)
  • Übergewicht
  • Nikotin, Alkohol

Venen – Diagnostik

Schenken Sie bereits den ersten Anzeichen einer Beinvenenschwäche Beachtung. Wenn Sie häufiger Schmerzen in den Beinen haben oder diese anschwellen, so kann dies ein frühes Warnsignal eines Venenleidens sein. Dasgleiche gilt für nächtlich auftretende Wadenkrämpfe. In diesen Fällen sollten Sie vorsorglich einen phlebologisch spezialisierten Hautarzt aufsuchen und ihm ihre Beschwerden schildern.

In unserer Ordination werden nach einer exakten Erhebung des klinischen Venenstatus eine computerunterstützte digitale Photoplethysmographie (PPG) und eine bidirektionale Doppler-Sonographie der Venen durchgeführt. Hierbei handelt es sich um zwei nichtinvasive (d. h. kein Nadelstich, kein Kontrastmittel-Röntgen) Untersuchungen, die hervoragend dazu geeignet sind, sich ein genaues Bild über die Funktion der Venen zu machen.

Bidirektionale Doppler-Sonographie

Die Ultraschallsonde, die bleistiftähnlich aussieht, enthält in ihrem Kopf ein Sende- und Empfangskristall für Ultraschallwellen. Vom Sendekristall aus werden die Schallwellen durch die Haut in das darunterliegende Gewebe gebracht. Treffen sie nun auf ein Blutgefäß, werden sie von den strömenden Partikeln, also den Blutkörperchen, in diesem Gefäß reflektiert und mit veränderter Frequenz vom Empfangsteil im Schallkopf aufgenommen. In Abhängigkeit von der Strömungsgeschwindigkeit kommt es je nach Richtung der Schallwellen mit oder gegen den Blutstrom zu einer Beschleunigung oder Verlangsamung der reflekierten Wellen. Dieser Frequenzunterschied zwischen einfallenden und reflekierenden Ultraschallwellen wird über ein elektronisches System hörbar gemacht und kann über einen Lautsprecher wahrgenommen werden. Bidirektionale Geräte arbeiten mit mehreren Sendefrequenzen und haben neben dem akustischen Signal auch ein graphisches Signal, d. h. das Ergebnis kann in einer Kurve
dargestellt und dokumentiert werden.

Digitale Photoplethysmographie (PPG)

Bei der digitalen Photoplethysmographie handelt sich um eine nichtinvasive Screeningmethode zur Funktionsbeurteilung des Venensystems der Extremitäten. Gemessen wird die Rücktransportkapazität der Venen. Die Messung erfolgt über einen Messkopf, der 10 Zentimeter oberhalb des Innenknöchels fixiert wird. Er besitzt drei Strahlungsquellen, die Infrarotstrahlen aussenden, und einen Strahlungsempfänger. Eingestrahltes Licht wird in Abhängigkeit von der lokalen Blutfülle in den oberen Hautschichten reflektiert und von einem Photoelement erfasst; die elektrischen Impulse werden als Signal von einem Schreiber erfasst.

Therapie bei Krampfadern, Venenschwäche oder Veneninsuffizienz

    Primär können Sie selbst vorbeugend etwas für die Gesundheit Ihrer Venen tun:
  • Unerlässlich ist ausreichende Bewegung, damit die Arbeit der Muskel-Venen-Pumpe gefördert wird. Ob sie Rad fahren, spazierengehen oder Gymnastik machen, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Auch Wasseranwendung können hilfreich sein.
  • Bei schweren Beinen sollte Sie immer mal wieder für einige Minuten die Beine hochlegen.
  • Vermeiden Sie Übergewicht, denn jedes überflüssige Pfund belastet Ihre Venen zusätzlich.

Medikamente

Im frühen Stadium einer Venenerkrankung werden mit pflanzlichen Medikamenten, sogenannten Phytopharmaka, sehr gute Erfolge erzielt. Sie enthalten pflanzliche Wirkstoffe, die die Venen kräftigen, die Gefäße abdichten und somit der Entstehung von ÷demen entgegenwirken.

Kompressionstherapie

In fortgeschrittenen Fällen ist einen Kompressionsstrumpf oder Kompressionsverband eine wichtige Therapie-Säule, da durch eine Erhöhung des Drucks im Gewebe die Arbeit der Muskel-Venen-Pumpe gefördert wird.

Verödung

Eine Behandlungsmöglichkeit bei kleinen, noch oberflächlichen Krampfadern und Besenreisern ist die Verödung. Dabei werden Mittel in die Gefäße eingespritzt, die die Gefäßwände miteinander verkleben lassen. Diese Methode ist fast schmerzlos und ist trotz intensiver Bewerbung der Laserbehandlung dieser deutlich überlegen.

Mini-Stripping (Phlebektomie)

Etwas größere oberflächliche Krampfadern lassen sich in Lokalanästhesie nach kleinsten Hautstichen mit Spezialinstrumenten entfernen.

Venen-Operation (Stripping)

In schweren Fällen kann eine Operation, das sogenannte Stripping, bei dem die die großen Krampfadern in Vollnarkose oder nach Kreuzstich chirurgisch entfernt werden, nötig werden.
In der Regel sind für diese Operation nur ein ein- bis zweitägiger Krankenhausaufenthalt nötig.

Beingeschwür – offenes Bein (Ulcus cruris)

In der Praxis ist das vemös bedingte Ulcus Cruris mit 70 Prozent die häufigste Ursache von Beingeschwüren. Sie stellen die Maximalvariante der Venenschwäche (chronisch venösen Insuffizienz) dar. Das klinisch typische Bild der relativ schmerzarmen chronischen Wunde in veränderter Hautarealen sollte durch die oben beschriebenen nichtinvasiven apparativen diagnostische Maßnahmen untermauert werden. Eine arterielle Mitbeteilung muss durch Bestimmung der Knöchelarteriendrucke ausgeschlossen werden. Wichtigster Stützpfeiler der Therapie ist die fachgerechte Kompressionstherapie, unterstützt durch ein entsprechendes Wundmanagement. Liegt ein primäres Krampfaderleiden (primäre Varikose) vor, sollte sie operativ saniert werden. Bei verzögerter Wundheilung oder Heilungsstillstand sollten chirurgische Deckungsverfahren zur Anwendung kommen. Ist das Ulcus abgeheilt, muss der Patient weiterhin mit einem Kompressionsstrumpf versorgt werden.