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Glossar: Haarerkrankungen

Es wird von Haarausfall gesprochen, wenn täglich mehr als 100 Haare ausgefallen sind und wenn es einen deutlichen Unterschied zwischen der Zahl der abgestoßenen und nachgewachsenen Haare gibt.

Diffuser Haarausfall

Der ganze Kopfbereich ist mehr oder weniger betroffen, es liegt in der Regel keine Störung der Kopfhaut vor. („nicht vernarbend“). Meistens fallen vermehrt Haare aus, die sich in der „Abstoßungsphase“ befinden (Telogenhaare).

Ursachen sind:

1. Anlagebedingter Haarausfall (androgenetisches Effluvium, androgenetische Alopezie)

Dies die häufigste Erscheinung des Haarausfalls überhaupt.

  • Androgenetische Alopezie beim Mann
    • Hintergrund
      Die Glatzenbildung vom männlichen Muster wurde früher als Alopecia praematura oder seborrhoische Alopezie bezeichnet.
      Beim Mann ist die Glatzenbildung vom männlichen Muster nach der Pubertät im 3. und 4. Lebensjahrzehnt keine Erkrankung. Man weiß heute, dass auch bei höheren Affen eine Art Glatzenbildung vorkommt.
    • Erscheinungsbild
      Der Haarausfall beginnt mit dem Auftreten von „Geheimratsecken“. Ihr Ausbleiben weist auf hormonelle Störungen hin. Häufig geht der Ausfall nach bestimmten Mustern, entweder als Verlängerung der Stirn oder als Kahlstelle am Hinterkopf (tonsurartig), weiter.
      Bemerkenswerterweise aber geht bei zahlreichen Männern der Ausfall schubweise, begleitet von Parästhesien der Kopfhaut und Juckreiz vor sich. Gleichzeitig klagen die Betroffenen über eine vermehrte Fettung der Kopfhaut (Seborrhö) und über Begleiterkrankungen wie seborrhoisches Ekzem. Diese störende Fettung wird so erklärt, dass die Talgdrüsen noch voll funktionieren, aber weniger Haare zu fetten sind. Nicht selten ist die Fettung aber periodisch unterschiedlich stark und auch von Umweltfaktoren abhängig. Möglicherweise bewirkt ein übergeordneter Einfluss gleichzeitig Haarausfall und verstärkte Talgsekretion, zumal Haarfollikel und Talgdrüsen auf Testosteron ansprechen. Hier sind noch
      zahlreiche Fragen offen.
    • Ursachen
      Der Ausfall wird durch Testosteron induziert. Die Eigenschaft, auf die Einwirkung von Testosteron zunächst mit Rückbildung auf die Größe von Lanugofollikeln, später mit Atrophie zu reagieren, ist dem einzelnen Follikel eigen, wie Verpflanzungen von Haarinseln bei höheren Affen und Menschen gezeigt haben.
    • Behandlung
      • Hemmung der Androgene, insbesondere Dehydrotestosteron
        In der Behandlung spielt das Konzept der Hemmung des Umwandlung von Dehydrotestosteron (DHT) in das zum Haarausfall führende Testosteron eine wichtige Rolle (Finasterid, Handelsname Propecia).
        Finasterid (Propecia) ist die neueste Waffe im Kampf gegen den genetisch bedingten Haarausfall. Eine Filmtablette enthält genau 1 Milligramm Finasterid. Ursprünglich wird Finasterid zur Behandlung von gutartiger Prostatavergrößerung eingesetzt. Das Mittel heißt Proscar und wird von Merck hergestellt.
        Finasterid hemmt die 5-Alpha-Reduktase, das Enzym im Gewebe, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT ist die Hauptursache für genetisch bedingten Haarausfall. Untersuchungen zeigten, dass vom Haarausfall betroffene einen höheren Anteil an DHT in der Kopfhaut aufwiesen. Man geht davon aus, dass die Reduzierung des DHT-Levels die alopecia androgenetica verlangsamt oder stoppt und sogar in manchen Fällen Wachstum von neuen Haaren
        möglich ist.
        1.800 Männer wurden in einer internationalen Studie über ein Jahr lang mit Propecia beziehungsweise mit einem Placebo behandelt. Die mit Propecia behandelte Gruppe zeigte eine Erhaltung oder auch Vermehrung der Haare auf der Kopfhaut. Bei der Placebogruppe fiel das Haar unbeeinflusst aus.
        Soweit nicht anders verordnet, nehmen Erwachsene täglich 1 Tablette ein. Es sollte die Dosierung genau eingehalten werden und bei Ausbleiben einer Tagesdosis diese nicht nachgeholt werden. Außerdem darf Propecia nicht von Frauen oder Kindern angewendet werden.
        Bei weniger als 2 Prozent der Patienten traten gewisse sexuelle Störungen auf, wie zum Beispiel Abnahme der Libido, Erektionsstörungen, verminderte Samenzahl im Ejakulat. Nach Absetzen des Mittels oder auch bei weiterer Einnahme verschwanden die Nebenwirkungen wieder.
        Man sollte Propecia mindestens drei Monate oder länger einnehmen. Falls nach 12-monatiger Anwendung keine Ergebnisse sichtbar sind, spricht man höchstwahrscheinlich
        auf diese Art der Behandlung nicht an.
      • Stimulierung von Wachstumsfaktoren
        Allerdings gibt es noch andere Mechanismen, die für Haarwuchs sorgen können, die noch weniger gut bekannt sind. Am bekanntesten ist sicherlich Minoxidil (Regaine, Rogaine).
        Als „Nebenwirkung“ dieses eigentlich als Blutdruckmittel entwickelten Präparates tritt bei Einnahme recht häufig Haarwuchs (bei oraler Aufnahme in weniger als 10 Prozent „schwerwiegend“) auf, der auch zu einer Zulassung für diese Indikation zur äußerlichen Anwendung geführt hat.
        Minoxidil ist in topischer Form das meist angewendete Produkt in den Vereinigten Staaten. Minoxidil erscheint durch schrittweises Vergrößern der Haare zu arbeiten und Haar-Follikel, die am Schrumpfen waren, zu verlängern. Als Wirkmechanismus wird dabei eine Förderung des versorgenden Gefäße angenommen.
        Es ist notwendig, Minoxidil für 3 – 4 Monate zu verwenden um einen Beweis von Wachstum und bis zu 6 Monate für eine richtige Abschätzung über den Effekt zu bekommen. Minoxidil muss
        dauerhaft angewendet werden, sonst geht das Haar innerhalb von 3 Monaten wieder zurück.
  • Androgenetische Alopezie bei der Frau
    • Erscheinungsbild
      Bei der Frau verläuft die androgenetische Alopezie anders als beim Mann: der Kopf ist diffus befallen, besonders die zentralen Regionen. Noch normal gewachsene Haare finden sich neben kleinen Wollhaaren. Meistens kommt es zum Glück nicht zur Ausbildung einer Glatze. In schweren Fällen ist an ernste hormonelle Veränderungen zu denken.
    • Behandlung
      • Hormonelle Kontrazeptiva mit ÷strogen- und Antiandrogenwirkung, eventuell zusätzlich Cyproteron in zyklusgerechter Dosierung lokal östrogenhaltige Haarwässer.
      • Minoxidil (Regaine), siehe oben

Diffuser Haarausfall – weitere Ursachen

  • 2. Bei der Frau nach der Geburt eines Kindes
  • 3. Postpubertär, meist bei Mädchen zwischen 16 und 20 Jahren
  • 4. Zeitlich begrenzt aufgrund von Krankheiten, Diäten, Medikamenten, umweltbedingten Schadstoffen
  • 5. Anhaltend bei Mangelerscheinungen (Eisen, Zink, Folsäure, Vitamin B12) und Stoffwechselstörungen

Umschriebener Haarausfall

Nur bestimmte Stellen der Kopfhaut sind betroffen.

  • Nicht „vernarbend“ (keine Zerstörung der Haarfollikel)
    • Alopecia areata – der kreisrunde Haarausfall, eine relativ häufige Erscheinung
    • Andere wie zum Beispiel nach mechanischer Belastung (Frisur, Kopfbedeckungen, Aufliegen des Kopfes bei Bettlägrigen)
  • „Vernarbend“ (mit Zerstörung der Haarfollikel)
    • im akuten Stadium oft mit infektiösen Prozessen verbunden
    • im Endzustand als „Pseudobelade Brocq“ durch Fehlen der Haarfollikel erkennbar Schuppen
    • Oft sind mit Haarausfall noch weitere Probleme im Haarbereich verbunden, wie Schuppen, Jucken oder schmerzhafte Entzündungen im Haarbereich. Dies sind sehr lästige und unangenehme Erscheinungen. Häufig ist allerdings unbekannt, dass es sich hier um Probleme handelt, die nach einer sorgfältigen Abklärung der Ursache oft alleine mit einer guten Haarpflege gelöst werden können.
    • Es gibt verschiedene Ursachen, am häufigsten treten aber die folgenden Erscheinungen auf:
      • das seborrhoische Ekzem
      • leichte Erscheinung einer Schuppenflechte
      • Reizung der Kopfhaut durch falsche Pflegeprodukte